Die Blutegeltherapie ist ein traditionelles naturheilkundliches Verfahren, bei dem medizinisch gezüchtete Blutegel gezielt an bestimmten Körperstellen angesetzt werden. Während der Behandlung beißt sich der Blutegel an der Haut fest und saugt eine kleine Menge Blut. Gleichzeitig gibt er verschiedene Stoffe aus seinem Speichel in die Bissstelle ab. Diese wirken unter anderem blutgerinnungshemmend und durchblutungsfördernd . Die Blutegeltherapie wird heute insbesondere bei bestimmten Schmerzzuständen und lokalen Beschwerden als ergänzende Behandlung eingesetzt. Wie läuft die Behandlung ab? Vor der Behandlung findet ein ausführliches Gespräch statt. Dabei werden Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und mögliche Risiken besprochen. Die Blutegel werden an den zuvor festgelegten Stellen auf die Haut gesetzt. Nach dem Biss beginnt der Blutegel zu saugen. Ein Egel bleibt häufig etwa 20 bis 60 Minuten angesetzt, bis er sich selbstständig löst. Manchmal dauert die Behandlung auch länger. Nach dem Abfallen bzw. Entfernen der Blutegel wird die Bissstelle sorgfältig versorgt und verbunden. Eine Besonderheit der Behandlung ist, dass die kleinen Wunden anschließend noch mehrere Stunden nachbluten können. Diese Nachblutung ist Teil der gewünschten Wirkung. Die Anzahl der benötigten Blutegel und die Anzahl der Behandlungen richten sich nach dem individuellen Beschwerdebild. Was spüre ich während der Behandlung? Der Biss des Blutegels kann zu Beginn kurzzeitig als Stechen, Brennen oder Zwicken wahrgenommen werden. Häufig lässt das Gefühl nach kurzer Zeit nach. Während des Saugens können ein leichtes Ziehen, Wärmegefühl oder Druckgefühl auftreten. Nach der Behandlung kann die Bissstelle noch einige Tage empfindlich, gerötet oder leicht geschwollen sein. Welche Nebenwirkungen und Risiken können auftreten? Die Blutegeltherapie ist in der Regel gut verträglich, kann aber mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden sein. Häufig können auftreten: - länger anhaltende Nachblutungen - kleine Wunden an den Bissstellen - Blutergüsse - Rötung oder Schwellung - Juckreiz oder Wundheilungsstörungen - vorübergehende Schmerzen oder Empfindlichkeit Da die Bissstellen kleine offene Wunden darstellen, besteht ein Infektionsrisiko. Sehr selten können stärkere Blutungen oder ausgeprägte allergische Reaktionen auftreten. Bei ungewöhnlich starken oder lang anhaltenden Blutungen, zunehmender Rötung, Überwärmung, Schwellung, Eiterbildung oder Fieber sollten Sie sich umgehend in der Praxis melden. Wann sollte keine Blutegeltherapie durchgeführt werden? Bitte informieren Sie uns vor der Behandlung insbesondere, wenn Sie: - Blutverdünner oder andere Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen - an einer Blutgerinnungsstörung leiden - unter einer ausgeprägten Blutarmut leiden - eine erhöhte Blutungsneigung haben - an einer schweren Immunschwäche leiden - eine bekannte Allergie oder Unverträglichkeit gegenüber Blutegeln bzw. deren Bestandteilen haben - eine akute Infektion oder Hauterkrankung im vorgesehenen Behandlungsbereich haben - schwanger sind oder eine Schwangerschaft vermuten Ob eine Blutegeltherapie für Sie geeignet ist, wird individuell nach Ihrer Krankengeschichte, Ihren Medikamenten und Ihrem aktuellen Gesundheitszustand beurteilt. Was ist nach der Behandlung zu beachten? Die Bissstellen werden nach der Behandlung sorgfältig verbunden. Aufgrund der möglichen Nachblutung sollte der Verband entsprechend den Anweisungen der behandelnden Praxis belassen und bei Bedarf gewechselt werden. Die behandelten Stellen sollten sauber gehalten und nicht aufgekratzt werden. Bis zur Abheilung sollten Sie auf Schwimmbad, Sauna und andere Situationen verzichten, bei denen die Wunden mit verunreinigtem Wasser in Kontakt kommen könnten. Bitte achten Sie insbesondere auf Anzeichen einer Infektion oder ungewöhnlich starke Blutungen. Bei starker oder nicht nachlassender Blutung, ausgeprägtem Schwindel, Kreislaufproblemen, Atemnot, starken Schmerzen oder Anzeichen einer Infektion sollten Sie umgehend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Was kann die Blutegeltherapie leisten? Die Blutegeltherapie kann bei fast jeder Form von Arthrose, Gelenk-, Sehen- und Schleimbeutelentzündung eingesetzt werden. Auch beim Tinnitus zeigen sich gute Heilerfolge. Egel können auch der Behandlung von Krampfadern dienen, haben dort aber nur einen entstauenden und schmerzlindernden, keinen kosmetischen Effekt. Wichtig Für die Behandlung werden ausschließlich medizinische Blutegel aus kontrollierter Zucht verwendet. Die Blutegel werden aus hygienischen und medizinischen Gründen grundsätzlich nur einmalig bei einer Patientin oder einem Patienten eingesetzt. Die Behandlung erfolgt nur nach vorheriger Aufklärung und Ihrer freiwilligen Zustimmung. Für die Behandlung mit Blutegel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Kosten.